Pension Agora Blick über Kapekiri (Herakleia) auf Bafasee Werner (72) und Ali (18) auf dem Tekerlek-Dag (1375 m) Styloskloster Blumenterrasse
Stadtbild Trekking durch die
Latmos-Berge


westliche Türkei am Bafa-See
Nomadenhaus
Antiker Bogen Die Gruppe bei Hatice Landschaft Sarkophage Antiker Marktplatz

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Abenteuertrekking durch den Latmos
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Die Latmos-Berge liegen im Hinterland der Ägäis südlich des Flusses Menderes (Meander). Eine geografische Besonderheit besteht darin, dass der "Kiesschaufler" Menderes einen in der Antike noch vorhanden gewesenen Meeresbusen kilometerweit zugeschüttet und einen Nebenarm mit Geröllmassen abgeriegelt hat, ähnlich einer Gletscher-Seitenmöräne.  So ist aus einem Meeresarm der heutige, wegen nur geringer Süßwasserzuflüsse bei gleichzeitig hoher Verdunstung immer noch salzige Bafa-See entstanden, einstmals ein Zentrum antiker Kultur. Der Latmos ist  vorwiegend aus rötlichem Granit aufgebaut. Typisch ist eine schalenartige Verwitterungsform, die Felsen in der Form von Riesen-Kartoffeln hervorbringt, also nicht spitz und schroff wie in den Alpen. Angeblich wird immer noch Losung vom Braunbären gefunden. Mit Sicherheit aber gibt es giftige Schlangen und Stachelschweine in einer phantastischen, geradezu biblischen Felswildnis.

Erster Tag: 10.05.2006
Wir, das sind  vier Leutchen einer "Viererbande" plus Führer Mustafa und zwei Träger, ziehen auf einer über 2000 Jahre alten, teilweise stark zerstörten  Pflasterstraße von Kapikiri (dem antiken Herakleia) vier Stunden ins Gebirge bis auf eine Sommerweide der Halbnomaden. Man lernt dabei, dass es Zistrosenwiesen in pink gibt. Auch die anderen Blumenteppiche sorgen für herzerhebende Gefühle.
Am Nachmittag gibt einen Rundgang übers Ungebahnte mit Einblicken in jungsteinzeitliche  Höhlenmalereien, die sehr frühe Darstellungen von Menschen bei Kulthandlungen zum Thema haben. Außerdem wurden wir Augenzeugen der arbeitsintensiven Pinienkerngewinnung. Seither habe ich ein ganz anderes Verhältnis zu meiner bislang eher achtlos hingeschlenkerten Salatzutat.
Abends greift sich der Träger Mehmet (62) die mit herumgeschleppte siebensaitige Saz bzw. Baglama am langen Hals (bauchiges Saiteninstrument mit cembaloartigem Klang) und zupft ihr derart hinreißend am Bauch, dass es der Erika und dem Werner in die Beine fährt. Außer Tänzchen und Mehmets Gesängen über die Liebe und den Tod gab es natürlich auch reichlich vom Nationalgetränk Raki. Das ist ein hundsgewöhnlicher Ouzo, nur mit noch mehr "Allohool". Und was den Alkoholgenuss des muselmanischen Türken betrifft, so findet der erstens im Finstern statt, also wenn´s Allah nicht sieht, und zweitens hat Mohamed ja nur das Gebraute verdammt, nicht das Gebrannte.
Nächtigung im Haus der Hatice. Unter Haus stelle man sich die Übertragung des Prinzips der turkstämmigen Jurte auf einen rechteckigen Raum vor. Alles Lebenswichtige findet hier ohne neuerungssüchtige räumliche Funktionsdifferenzierung  statt: Kochen, Essen, Schlafen, und zwar ebenerdig.
 
Zweiter Tag, 11. 05.2006:
Beim Aufstieg zu den Ruinen des Stylosklosters erwischt uns ein Zweistunden-Regen, der wohl letzte nach einem trockenen Winter bis zum Herbst. Uns wird bei der zunehmend ins wildromantisch-unwirtliche übergehenden Pfadfindung allmählich klar, warum wir drei Betreuer statt eines Esels als Lasttiere dabeihaben. Ein Esel wäre so klug, sich zu weigern, auch nur einen weiteren Schritt in diesem fragwürdigen Gelände zu tun. Er käme freilich auch bei Gutwilligkeit mit seiner Last nicht durch diese schluchtartig sich türmenden Felsbrocken. Trockenlegung der regenfeuchten Saz und der Menschen in einer Höhle auf dem Klostergelände. Die eigentlich geplante Besichtigung der byzantinischen Freskenmalereien fällt wegen des als zu gefährlich eingestuften Zugangs über einen ungesicherten, nassen Steilabfall aus.
Beim Herumstöbern in den Katakomben findet Hartmut einen menschlichen Backenknochen samt vereinzeltem Zahn. Wenn die Türken keine Touristen essen, kann das eigentlich nur von einem der hier beigesetzten Mönche stammen.
Aufgegeben wurde das Kloster 1088 unter dem Abt Ossios Christodoulos (=Christusknecht) wegen der ewigen Stänkereien der turkstämmigen Seldschuken, seit diese bei Manzikert (1071) den Byzantinern heimgeleuchtet hatten. Die Mönche, die dieses öde Gebiet, das nur Gottesnähe bietet, mit 10 Klöstern zur Hochburg des asketischen Mönchswesens gemacht hatten, wichen auf die Insel Patmos aus. Und das erste, was einem Christen zu tun anstand, war natürlich die Zerstörung eines heidnischen Kultbilds der Artemis.
 
Über den Yuvatepe-Pass und Reste der antiken Straße geht es nach Bagarcik. Rechterhand sieht man vom Pass aus erstmals, wo es morgen durchgehen soll: die Nordseite des Tekerlekdag. Das sieht  gar nicht gut aus. Dass die so etwas als geführte Wanderung anbieten?!  Die Wirklichkeit war aber dann noch abenteuerlicher als bereits geahnt.
Besichtigung einer antiken Akropolis in der Nähe von Bagarcik. Hätten die Christen 389 n. Chr. nicht die das gesamte Wissen der Antike hortende Bibliothek von Alexandria niedergebrannt, wüsste man ihren Namen. So bleibt es bei der dekorativen Lage und einem auf den Tekerlekdag (ehemals Sitz des Regengotts, abgelöst von einem Zeus Akreus) ausgerichteten Kultplatz.
Nächtigung im ersten Haus am Platze, äähm, dem ersten gleich rechts, wenn man ins Dorf Bagarcik reinstolpert. Christian zieht es vor, der Raumenge ins flugs aufgestellte Zelt zu entfliehen. Der Vollmond und das typische orgiastische Gebrüll von Fußballfans in den ersten Morgenstunden lässt auf ein wichtiges Match irgendwo in Südamerika, nicht aber die Augen schließen. Beizeiten beginnt dann das morgendliche Konzert des türkischen Dorfs: Kollern des Truthahns, zum Melken aufforderndes Muhen, Taubengegurre, Hahnenwettstreit und natürlich Esel im Stimmbruch. Aber über dem Tal liegt zarter Nebel und verzaubert  die Schirmpinienhaine zu was Ostasiatischem, Hingetuschtem. Das versöhnt.
 
Dritter Tag, 12.05.2006:
Die hier herumstreifende heimat- und herrenlose Jagdhündin (mit einem bisschen Dalmatiner drin), deren Wurf seit kurzem unauffindbar ist, leidet offenbar außer an Hunger auch an einer postnatalen Depression. Diese Wöchnerin entschließt sich, uns ins Gebirge zu begleiten. Wir scheinen ihr zunächst vertrauenswürdig und mit mild schenkender Hand versehen. Außerdem kann man ja die verlorengegangenen Welpen auch mal in der von uns eingeschlagenen Richtung suchen.
Je weiter wir aber in die Felswildnis vordringen, umso misstrauischer lugt sie von unten herauf, ob das denn wirklich unser Ernst sei. Menschen sind sowieso recht seltsame Lebewesen, aber das hat sie denn doch noch nicht gesehen. Da haben die vier Gliedmaßen wie jeder vernünftige Hund auch, und die bedienen sich nur ihrer beiden Hinterpfoten. Manchmal werden sie ja auch vernünftig, so wie eben jetzt: sie legen eine zusätzliche Vorderpfote an, um sich der Standfestigkeit eines klugen Hundes wenigstens schrittweise zu nähern. Und heimlich nimmt der eine oder andere auch die vierte Pfote zu Hilfe. Ja, aber auch nur dort, wo kein auf sein Heil bedachter Hund herumstromern würde.
Den Tekerlekdag (1375 m), den höchsten Berg in diesem Massiv, hat dann nur der Werner (72) von oben gesehen. Der Rest der Mannschaft scheiterte entweder an Kleinmütigkeit oder an einer sehr engen, mit Felssturztrümmern überdeckten, fast senkrechten, tunnelartigen Rinne, die gemeinerweise auch noch eine scharfe Rechtswendung nahm. Stattliche Leute bleiben da stecken. Ich (Christian) werde also wiederkommen müssen und den Aufstieg von der anderen Seite aus probieren.
Der Weg um die östliche Schulter des Tekerlekdag zu unserem Lagerplatz soll dem Vernehmen nach ein Hirtenpfad sein. In Wahrheit hat man sich eiförmige Gebilde von 5 bis 6 Metern Größe als zusammengewürfeltes Blockwerk vorzustellen, von deren Spitze man schaudernd in Spalten sah, in denen man sich schon mit zerschmetterten Gliedmaßen liegen sah. Auf Reibung gehen, Rucksäcke werfen und hupfen wie Bergziegen war angesagt. Wir winselten innerlich voller Panik wie die Hündin, die diesen Wahnsinn gar nicht begreifen konnte. Sie blieb immer weiter zurück und jaulte herzerweichend. Gerne hätten wir sie mitgeschleppt, aber unsere türkischen Führer hätten das nicht verstanden. Wir dachten schon, dass wir diese Nacht kein Auge würden zutun können, denn beim Versuch, uns zu folgen, würde sie unweigerlich in eine der Spalten stürzen und jämmerlich umkommen. Uns war ziemlich elend zumute, denn wir hatten uns an diese Bergkameradin schon gewöhnt. Da fehlte plötzlich ein ganzer verständnisvoll schweigender Gesprächspartner.
Jenseits der ängstigenden Krabbelei dann die Kaffebohnen von Ziegen, ahhh... und hier sogar ein regelrechter Kuhfladen! Wir sind gerettet.
Der Lagerplatz war ein ganz unglaubliches Stück unversehrter Natur. Ich jubiliere noch jetzt, wenn ich bloß daran denke. Man kann das nicht schildern, weil es nichts Vergleichbares in der Bergwelt gibt. Sinai ohne Plastiktüten in den Sträuchern? Die Brotberge des Montserrat mit sanft fallendem Weideland? Da fehlt die Weitsicht. Blankgeputzte Reinheit und brustweitende Schönheit eines weltjenseitigen Orts, an den sich höchstens mal ein Hirt verirrt oder ein seltener, kleiner verrückter Haufen von Bergwanderern. Wir haben jedes noch so kleine Schnipsel Papier verbrannt, so fromm und ehrfürchtig wurde uns ums Herz.
Irgendwann hatte auch das trostlose Jaulen des verlassenen Hunds aufgehört, ganz einfach deswegen, weil er plötzlich wieder mitten unter uns war. Große Erleichterung, und freudig kramten wir unsere Wurstrationen zusammen, um diese tapfere Seele willkommen zu heißen
 
Vierter Tag, 13. 05.2006:
Abstieg, weglos, aber das kannten wir jetzt schon, nach Karahayit. Sonnendurchglühte Pinienwälder, verlassene Hochalmen, überwucherte Terrassen, abschüssige Blumenwiesen, endlich Olivenhaine. Die Zivilisation hat uns wieder - und der Unrat.. Rücktransport nach Kapikiri mit dem Bus des Wirts unserer Pension.
 
Was sonst noch war? Baden und Schwimmen im Bafasee. Viele Storchennester mit zahlreichen, tschilpenden Untermietern (Sperlinge). Blühende Granatapfelbäume. Klatschmohnfelder. Alle paar Meter tritt man auf eine Schildkröte.
Und gegessen wurde unter anderem ein mit Joghurt angemachter Salat aus Portulak (Salzmelde). Uns ging's gut. Ich will da nächstes Jahr wieder hin. Allerdings dann eine entschärfte Tour... 

Teilnehmer: Dr. Christian Klotz als Initiator und Texter, Werner Elbert, Erika Hänsel, Hartmut Rencker

Links:
www.herakleia.com
www.agorapension.com.tr
www.seb-tours.de

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