Meine schönen Bergwanderungen.

- zum Nachmachen und zum Mitmachen
- kein gewerbliches Angebot

DAV-Wanderleiter
Hartmut Rencker, Mainz


Schneereiches Winterwandern im Sommer 
vom 29.8. – 5.9.2010

Fernwanderweg E5 Nordteil Variante Via alpina mit Improvisationen

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Spielmannsau
Alpe Oberau
Kemptner Hütte
Holzgau
Memminger Hütte
Memminger Hütte im Schnee
Neuschneemassen
Zammer Schihütte
Krahberg
Gacher Blick
Wiesenhof
Stollen
Verpeilhütte
Aufstieg zum Madatschjoch
Auf dem Madatschjoch
Im Abstieg vom Madatschjoch
Abstieg vom Madatschjoch
Kaunergrathütte
Die Gruppe

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Trotz oder gerade wegen mancher Widrigkeiten ist uns eine traumhafte Bergwanderwoche gelungen, durch reichlich Neuschnee bis in die Täler sogar besonders reizvoll, allerdings war schon etwas Improvisation gefragt.

1. Tag: Angereist sind die Mainzer Teilnehmer für gerade einmal 20 Euro mit der Bahn bis Oberstdorf. Etwas lang hat es gedauert wegen der traditionellen sonntäglichen Gleisbaustelle auf der Allgäustrecke. So war unser Start in Oberstdorf mit den zeitgleich eingetroffenen Giessener Bergkameraden erst kurz nach 14:00 Uhr. Mit dem Taxi bis Spielmannsau wäre sicherlich bequemer und schneller gewesen, aber Allgäukenner Hartmut mochte nicht auf den wunderschönen Anmarsch über Moorsee, Golfplatz und Christlessee verzichten. Direkt vor dem Anstieg haben wir an der Alpe Oberau eine kleine Rast eingelegt. Bei warmer Schwüle sind wir dann gerade noch regenfrei um 19:00 Uhr an der Kemptner Hütte (1846 m) angekommen. 
ca. 800 m +    4:45 Stunden

2. Tag: Am nächsten Morgen war es aus mit der Wärme. Mindestens 10 cm Neuschnee und leichtes Grieseln. Der harmlose Weiterweg über das Mädelejoch (1974 m) war von vorausgegangenen, gewerblich geführten Gruppen schon gespurt. Beim Abstieg hellte der trübe Himmel langsam auf. Zwischendurch war eine kleine Trinkpause in der am Wege liegenden Unteren Rossgumpenalp (1329 m) unvermeidlich. Besonders eindrucksvoll waren die mächtigen Wasserfälle im letzten Drittel des Abstiegs nach Holzgau. Im Tal angekommen, verbrachten wir die Wartezeit auf die Kleinbusfahrt bis zum Parkplatz der Memminger Hütte im Gasthaus Bären. Original durchzulaufen wäre ein fußschädigender Langweiler geworden. Als Privatgruppe mussten wir den vielen gewerblichen Gruppen Vorrang lassen, wir sind aber dennoch zeitgerecht zum Aufstieg gekommen. Nur aus dem angedachten Rucksacktransport per Seilbahn wurde nichts wegen des großen Andrangs. Der Aufstieg war im unteren Teil eher nass und klebrig, weiter oben mit Schnee gepudert. Und im oberen Teil zog es sich wieder zu mit Schneegriesel, so dass uns viel von der Landschaft verborgen blieb. Auf der Memminger Hütte (2242 m) war durch die Massen an Organisierten ein höllisches Gedränge, aber das sollte sich noch als Segen erweisen. Jedenfalls hatten wir ein ordentliches Lager für 9 aber 11 waren wir. Also hieß es Kuscheln und eine zusätzliche Matratze organisieren.
ca. 130  m +    870  m -   800  m +    5:30 Stunden

3. Tag: Der neue Tag wurde dem Wetterbericht gerecht. Satte 40 cm Neuschnee. Alles zu und dicht. Was tun? Nichts. Und das war richtig so. In ziemlicher Verlegenheit waren die gewerblichen Gruppen, die irgendwie im Takt des Ablaufplans bleiben mussten. Den Weiterweg über die Seescharte (2599 m) wagte niemand. Das bedeutete für die Anderen zurück ins Tal und wir hatten unsere Ruhe und für den nächsten Tag eine Spur. Ganz langsam hellte es sich über den Tag hinweg auf, so dass sich uns zunehmend eine traumhafte Umgebung erschloss. Von den umliegenden Bergen rutschten erhebliche Schneemassen als kleine Nasslawinen ab, auch auf und über die Wege.

4. Tag: Die Nacht sollte alles ändern. Sternenklar und morgens Alpenglühen. Dennoch wollten wir uns nicht als Erstbegeher nach dem Schneefall spursuchend über die hohe Seescharte (2599 m) plagen und anschließend satte 1900 Höhenmeter ins Tal hinunterquälen. Eine Handvoll junger Unentwegter mit Steigeisen wagte das Abenteuer und kam auch tatsächlich unbeschadet unten an. Aber für uns Angejahrte gab es eine viel bessere Lösung, nämlich auf dem von den Gruppen am Vortag gespurten Weg zum von der Hütte aus vorbestellten Bustaxi abzusteigen. Mehrfach war die Spur durch zu Bergen harter Schneebälle erstarrte Nasslawinen verschüttet. Trotzdem kamen wir zügig bergab. Die anschließende Fahrt über das Hahntenjoch (1894 m) nach Zams war ein Traum. Landschaft pur! Unten grün, oben weiß und unendlicher Fernblick. Wir leisteten uns den sinnvollen Luxus, mit der Venet-Seilbahn bis zur abenteuerlichen "Mittelstation" aufzufahren. Das ist keine wirkliche Station, sondern ein recht luftiger Zustieg über die Bedarfshaltestelle an einer Stütze. Unser nächstes Quartier in der sehr empfehlenswerten Zammer Schihütte (1764 m) lag nur 10 Minuten entfernt. Es gab schöne, aussichtsreiche Zimmer mit Nasszelle und ordentlicher Halbpension zum günstigen Preis. Den angebrochenen Tag nutzten wir natürlich noch zu einem abgekürzten Aufstieg über Skipisten hinauf zur Gipfelstation auf den Krahberg (2208 m) mit Pause im Panoramarestaurant. Im Sauseschritt ging es auf dem gleichen Weg zurück.
ca. 800 -   470 +   470 -   5 Stunden

5. Tag: Das Wetter blieb schön und klar und auch der Schnee blieb liegen. Mit der am Vortag gekauften Seilbahnkarte sind wir bis zur Bergstation weitergefahren. Oben angekommen, bot sich wieder ein traumhafter Rundumblick. Die Spur unseres weiteren Weges war bis auf gefrorene Schneereste, die bald matschig wurden, frei getreten. Der Weiterweg mit Panoramablick führte uns über die Goglesalm (2017 m) hinunter zur Pillerhöhe (1559 m) mit dem Gacher Blick (hier Einkehr) dann wieder leicht bergauf zur Aifner Alm (1980 m) und weiter auf einem nach den Schneefällen noch nicht begangenen Panoramaweg zur Falkauns Alm (1982 m). Die tief eingeschnittene Felsrinne des Lahnbachs musste weiter oben umlaufen werden. Wegen der Schneelage war hier Vorsicht geboten. Ab Falkauns Alm sind wir dann auf Weisung der wohl nicht wandererprobten Wirtin den etwas öden Fahrweg durch den Wald zu unserem sehr empfehlenswerten Komfortquartier Wiesenhof (1607 m) abgestiegen, besser wäre der gedeckelte Kanalweg gewesen, den wir am nächsten Tag zum Aufstieg genommen haben.
ca.1200 m -   600  m +    8:30 Stunden

6. Tag: Bei weiterhin bestem Wetter war unser nächstes Ziel die Verpeilhütte. Jetzt stiegen wir weitaus schöner über den Kanalweg auf, jedoch nicht zurück bis zur Falkauns Alm sondern viel bequemer und kürzer durch einen gut 900 m langen, nur mäßig nassen Wasserstollen (Taschenlampen) direkt zur noch bewirtschaftet gewesenen Gallrutt Alm (1980 m), dem Beginn des direkt zur Hütte führenden, recht ausgesetzten Dr.-Angerer-Höhenwegs. Ein ungutes Gefühl kam auf. Im arg steilen Einstieg war noch allerhand Schnee und wie es weiter gehen sollte, wollten wir uns lieber nicht vorstellen. Der ernste Blick des Senners gemahnte uns, diesen zu Rate zu ziehen. Überzeugend riet er uns ab, weil wir damit rechnen mussten, dass die schmale und ausgesetzte Spur mitsamt Sicherungen stellenweise verschüttet ist. Ein Wagnis mit unsicherem Ausgang wollten wir nicht herausfordern. Und so sind wir goldrichtig über den Viehweg lockere 700 Meter ins Kaunertal abgestiegen. Der mühsamste Teil waren dann die drei Kilometer auf der Fahrstraße bis zum Cafe Angelika. Mit richtig sättigender Knödelsuppe gestärkt ging es nach nur kurzem Weiterweg auf der Straße höchst produktiv hinauf zur von Wiesen und mächtigen Bergen umgebenen, gerade schneefrei gewordenen Verpeilhütte (2015 m). Große Freude hatten wir mit der jungen Hüttenwirtin, die noch im letzten Jahr auf der Kaunergrathütte die Küche versorgte.
ca. 350 m +    740 m -    800  m +    5 Stunden

7. Tag: Das Traumwetter ging jetzt zur Neige. Es kamen doch wieder Wolken auf mit nur wenigen Lücken. Entgegen unserer berechtigten Scheu, den Dr.-Angerer-Steig zu wagen, waren wir ganz zuversichtlich, über das Apere Madatschjoch (3020 m) zu kommen, weil wir wussten, dass der Aufstieg lediglich mühsam ist und der felsige Steilabstieg zur Hochfläche oberhalb der Kaunergrathütte vom Hüttenwirt Andreas Jeitner mit Ketten, Krampen und Leitern wie ein kleiner Klettersteig perfekt gesichert wurde. Außerdem waren am Vortag die ersten Mutigen schon erfolgreich übergestiegen. Natürlich waren wir bald in geschlossenem Schnee. Das Vorankommen war aber fast besser als in rutschigem Geröll. Der letzte Aufschwung zum Überstieg war ebenfalls durch einige Krampen am Anfang und dann mit Ketten gut präpariert. Keine Stelle war ängstigend. Und am Beginn des eigentlichen Überstiegs wurden wir von den gerade in diesem Moment angekommenen Getreuen Wolfgang Briese und Horst Herder abgeholt. Gemeinsam kamen wir bei leichtem Grieseln auf dem nie ganz schneefreien Madatschjoch an mit anschließend rund 100 Meter steilem, teilweise senkrechtem Felsabstieg. Wo es steil ist, hält sich (fast) kein Schnee und so waren alle Sicherungseinrichtungen hervorragend zu nutzen, lediglich für Kurzbeinige war manchmal erhöhte Elastizität gefordert. Jedenfalls sind wir alle bester Dinge hinuntergekommen und waren schnell auf dem restlichen Weg zur Kaunergrathütte (2817 m), die sich im Schneetreiben nicht so recht zeigen wollte. Richtig zufrieden und glücklich waren wir über uns und unsere Leistung, aber auch dankbar, dass alles so gut gegangen war, verbunden mit großer Anerkennung für die umsichtige Führung von Manfred und den zweiten Ruhepol unserer Gruppe, dem baumstarken Hans Langecker. Großes Hallo gab es dann auf der Hütte. Und unseren Dank, dass alles so vortrefflich gelungen war, konnten wir und noch ein paar weitere Übersteiger bei einer kleinen Bergmesse abstatten, die wegen des doch recht rauen Wetters im Gastraum stattfand. Ungeachtet unserer verschieden ausgeprägten Gläubigkeit waren wir alle Gott näher.
ca. 1050 m +    250 m -    5 Stunden

8. Tag: Der Abstieg am nächsten Tag war Routine. Die Rückfahrt wurde dann etwas langatmig. Zuerst ging es mit dem Bus nach Imst und dann weiter mit der Bahn nach Lindau, wo wir uns in mehrere Richtungen zerstreuen mussten. Nach aller Bergstille war unsere Ankunft in Lindau ein Kulturschock. Wie wir schon vorher aus dem Zug im Raum Bregenz sehen konnten, waren Heerscharen von Menschen auf den Beinen. Nach unseren einsamen himmlischen Tagen fast ein Blick in die überbevölkerte Hölle.
ca. 1200 m -    2:30 Stunden

Eine tolle Gruppe waren wir. Alle von nahezu gleicher Leistungsstärke, und alle vom "gleichem Geschlecht", weil wir unsere tüchtigen Frauen in den Stand der Männer "erhoben" haben. Prima haben wir uns vertragen und beschlossen, den E5 im nächsten Jahr gemeinsam zu vollenden.
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Und hier zur Fortsetzung 
E5-Süd-1
Und hier zur Fortsetzung  E5-Süd-2
Und hier zur Fortsetzung  E5-Nord-1 ohne Schnee
Und hier zur Fortsetzung  E5-Nord-Auftakt-Nagelfluh

 

Teilnehmer:
Ingrid Briese
Ines Claussen
Cornelia Diegel
Egon Diehl
Dr. Stefan Haack
Hans Langecker
Horst Maas
Rainer Müller
Manfred Neuber (als Leiter)
Hartmut Rencker (Redaktion)
Wolfgang Schneider

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Nächste Veranstaltung: 
E5 Südteil
Auskunft unter: hartmut@rencker.de

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